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Koordinationsfonds

Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung seit 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441142207
 
Die Forschungsgruppe hat vor dreieinhalb Jahren damit begonnen, die jüngste Sprachgeschichte des Deutschen aufzuarbeiten und darzustellen. Ziel war es dabei, verstreut vorliegende diskurslinguistische Studien z.B. zum Klimaschutzdiskurs oder zu Wirtschaftskrisendiskursen durch die Bearbeitung zahlreicher weiterer Themenfelder so zu erweitern, dass eine empirisch abgesicherte Gesamtdarstellung der deutschen Sprachgeschichte als Diskursgeschichte seit 1990 geschrieben werden kann. Das grundlegende Ziel der Forschungsgruppe beruht auf der sprachtheoretischen Überzeugung von der realitätskonstitutiven Kraft der Sprache. Aus dieser Überzeugung folgt, dass eine Aufklärung darüber, wie in welchen Themenfeldern die jeweiligen „Wirklichkeiten“ sprachlich konstruiert wurden, als eine wertvolle Ergänzung zur Zeitgeschichtsschreibung angesehen werden kann, die sich allzu oft durch Diskurs-vergessenheit auszeichnet, wenn sie z.B. die sprachlich-diskursive Konstruktion von Wirtschaftskrisen, mit der solche „Krisen“ überhaupt erst wahrnehmbar werden, nicht mit reflektiert. Dieses gesellschaftlich relevante Forschungsziel wird in einem größeren Verbundprojekt und in zwei Förderphasen umgesetzt. Im Erstantrag hat die Forschungsgruppe Hypothesen zu diskurssemantischen Grund-figuren entwickelt, über die sich diese Themen zu Themen- und damit Projekttandems bündeln lassen. In der ersten Förderphase sind daher Diskurse um soziale Sicherheit, Bioethik, Umweltdiskurse sowie solche zur Äußeren Sicherheit, insbesondere zu Militäreinsätzen mit verschiedenen Methoden und auf der Grundlage eines sehr großen Korpus von Printmedien und Bundestagsdebatten untersucht worden. Die Studien leisten Beiträge zur Beschreibung und diskursiven Rolle der Grundfiguren Partizipation & Egalität, Mensch & Technologie, Individuum & Gesellschaft sowie Freiheit & Sicherheit, die in der zweiten Förderphase mit diskursgeschichtlichen Analysen zu Diversitäts- und Digitalisierungsdiskursen, zum Bildungsdiskurs sowie zu Debatten um die Innere Sicherheit vervollständigt werden. Zudem hat die Forschungsgruppe die methodologische Diskussion in der Diskurslinguistik der letzten Jahrzehnte aufgegriffen mit dem Ziel, den Gegensatz von quantitativen und qualitativen Methoden zu überwinden. Diese Methoden erfordern einen großen Aufwand hinsichtlich der Korpuserstellung und -auswertung. Einbezogen wurden dabei insbesondere korpuslinguistische Verfahren, die sich für die linguistische Diskursanalyse als weiterführend erweisen. Mit digitalen Methoden der Aufbereitung, Annotation, Analyse und Visualisierung von Textdaten kann die Diskurslinguistik auf die immer größer werdende Menge an zugänglichen Texten angewandt und mit textstatistischen Verfahren trianguliert werden. Der Mehrwert der Forschungsgruppe besteht demzufolge auch darin, dass über die Verbundforschung mit einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur eine kollaborative Methodologie der verstehenden Diskursgeschichte entwickelt wird.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
 
 

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