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Individuelle Freiheit und soziale Norm – Nachhaltigkeits- und Verantwortungsdiskurse zu Umwelt und Bildung seit 1990 (Teilprojekt 3: Individuum und Gesellschaft, Phase 2: Bildungsdiskurs)

Antragstellerinnen / Antragsteller Professorin Dr. Nina Janich; Professor Dr. Jörg Kilian
Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung seit 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441142207
 
Ein wesentliches Ziel des Teilprojektes ist es, im Rahmen der Forschungsgruppe „Kontroverse Diskurse“ einen methodologischen und inhaltlichen Beitrag zur Erforschung der deutschen Sprachgeschichte seit 1990 als Diskursgeschichte zu leisten. Der Bildungsdiskurs in der Bundesrepublik Deutschland seit 1945 ist bislang nur unzureichend erforscht, insbesondere für die Zeit seit 1990 kann von einer historisch perspektivierten Forschung nicht gesprochen werden. Diese Forschungslücke geht das Projekt an. Ausgangshypothese ist, dass der Bildungsdiskurs in Deutschland seit 1990 – ebenso wie der in Projektphase 1 untersuchte Umweltdiskurs – besonders geprägt ist durch die diskurssemantische Grundfigur ‚individuelle Freiheit vs. soziale Norm‘. Das Recht auf Bildung ist ein individuelles Menschenrecht, das in den 17 Zielen einer globalen Nachhaltigkeitspolitik explizit ausgewiesen wird (Ziel 4); die aktuell bildungspolitisch dominierende Orientierung am Begriff der Kompetenz fokussiert ebenfalls das Individuum. Für die Umsetzung dieses Menschenrechts gelten aber auch soziale Normierungen, wie sie z.B. in den Bildungsstandards zum Ausdruck kommen. Die Wörter "Kompetenz" und "Bildungsstandard" können daher als rahmende Schlüsselwörter dieses normativen Spannungsverhältnisses im Bildungsdiskurs gelten. Im Projekt werden korpusgestützt die lexikalischen Netze ermittelt, die im öffentlichen Sprachgebrauch seit 1990 den Begriff von „Bildung“ um diese begriffliche Klammer herum sprachlich konstruieren. Als Korpora dienen keywordgestützt ausgewählte Ausschnitte aus dem Stammkorpus der Forschungsgruppe (Plenarprotokolle des Deutschen Bundestages, wichtigste Print-Leitmedien in Deutschland seit 1990) sowie teilprojektspezifische Zusammenstellungen von Plenarprotokollen der Landtage und bildungsprogrammatischen Texte der Bildungsministerien zweier Bundesländer. Die Texte werden auf der Grundlage eines in der ersten Phase begründeten und weiter zu entwickelnden kollaborativen Kategoriensets annotiert und auf der Grundlage diskurshermeneutischer und sprachgeschichtlicher Ansätze und Methoden interpretiert (u.a. Topoi, Metaphern, Satzsemantik, z.B. Agensbezeichnungen, Rollenzuschreibungen/ stereotype). Am Beispiel des Bildungsinhalts ‚Umweltbildung‘ werden die sprachliche Konstruktion und Konstitution gesellschaftlich erwarteten Wissens und Könnens im Spannungsfeld zwischen individueller Kompetenz und kollektiver Normierung (Bildungsstandards) als Facetten eines (nachhaltigen?) „Bildungs“-Begriffs und damit verbundene Verantwortungszuschreibungen rekonstruiert. Die Kontroversen über das Schulsystem und das damit verbundene sprachliche Feld (dreigliedrig – zweigliedrig; Gemeinschaftsschule, Gymnasium, Stadtteilschule usw.) spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Kontroversen über Bildungsinhalte im Rahmen der Formulierung von Kompetenzen und Standards (z.B. Kompetenzstufe, Leistungsniveau).
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
Internationaler Bezug Schweiz
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner Professor Dr. Noah Bubenhofer; Professorin Dr. Juliane Schröter
 
 

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