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„Freiheit und Sicherheit Deutschlands werden heute auch am Hindukusch verteidigt“. Diskurse um Äußere und Innere Sicherheit in Deutschland seit 1990
Antragsteller
Professor Dr. Martin Wengeler
Fachliche Zuordnung
Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441142207
Das Teilprojekt 4 geht davon aus, dass es in Auseinandersetzungen um Äußere und um Innere Sicherheit zwar um ganz unterschiedliche Fragestellungen geht (z.B. um Militäreinsätze oder Waffenlieferungen auf der einen Seite, Anti-Terrorgesetzgebung oder Videoüberwachung auf der anderen Seite), dass beide Diskurse aber eng aufeinander bezogen sind und dass es in beiden häufig um die Hochwerte Freiheit und Sicherheit geht. Beide Diskurse werden demnach von der diskurssemantischen Grundfigur des Verhältnisses von Freiheit und Sicherheit mitbestimmt. Dieses Verhältnis kann z.B. als eines des Gleichgewichts oder des Vorrangs des einen vor dem anderen diskursiv modelliert werden. Es geht in diesem Teilprojekt auch um die Frage, in welcher Weise in solchen öffentlichen Diskussionen „Freiheit“ und „Sicherheit“ zur Legitimation oder Ablehnung anstehender Entscheidungen herangezogen wurden, wie dabei das Verhältnis beider zueinander aussieht und wie es sich diskursiv entwickelt. Wurden in der ersten Förderphase Diskussionen um Militäreinsätze unter diesem Aspekt untersucht, so zeigte sich, dass dabei Bezüge zur Bekämpfung von „Terrorismus“ und anderen Bedrohungen der Inneren Sicherheit häufig hergestellt werden. Das damit ins Auge gefasste große Politikfeld enthält eine Vielzahl von Subthemen und wird öffentlich besonders intensiv diskutiert, wenn es um die Sicherheit der Bürger:innen vor Gewalt von organisierten Gruppen, also um den Schutz vor terroristischen Attacken geht. Daher werden wir uns in diesem Teilprojekt auf öffentliche Debatten um den Umgang mit Terrorismus konzentrieren. Dabei geht es um Fragen wie: Wie viel Freiheitsrechte sind die Bürger:innen eines Staates bereit aufzugeben, um möglichst viel „Sicherheit“ vor Gewalttaten zu haben? Prototypisch für die Verknüpfung beider Diskurse sind die Debatten nach den 9/11-Anschlägen, in denen einerseits die Beteiligung der Bundeswehr am Krieg in Afghanistan und andererseits sog. „Anti-Terror-Pakete“ zum Schutz vor Anschlägen als notwendige Reaktionen zur Gewährleistung von Freiheit und Sicherheit verhandelt wurden. In der zweiten Förderphase soll herausgearbeitet werden, wie im diachronen Verlauf die innenpolitischen Teildiskurse insbesondere zu rechten und islamistischen terroristischen Gefahren das diskursive Wissen über Innere Sicherheit in Deutschland und über Freiheitsgefährdungen geprägt haben. Daneben trägt das Teilprojekt weiterhin zum methodologischen Ziel der Projektgruppe bei, eine kollaborative digital gestützte Diskursanalyse zu entwickeln. Dafür wird das Teilprojekt vor allem qualitative Interpretationen der sich wandelnden Bedeutung von Schlüsselwörtern (z.B. mit framesemantisch inspirierten Analysen), der Wirklichkeitskonstruktionen durch Metapherngebrauch, von metasprachlichen Äußerungen und von seriell genutzten Argumentationsmustern so weiterentwickeln, dass über Annotationen in den Korpusdatenbanken auch diachrone quantitative Vergleiche ermöglicht werden.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
