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Vernetzung von Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin mit der Palliativmedizin - ein innovativer Outcome-basierter Ansatz für eine engere Zusammenarbeit

Antragstellerin Dr. Theresa Tenge
Fachliche Zuordnung Anästhesiologie
Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Förderung Förderung von 2023 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 522518834
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Zuge des demographischen Wandels verändert sich die Gesundheitsversorgung durch den Anstieg chronischer und schwerwiegender Erkrankungen. Gleichzeitig widerspricht die Zunahme invasiver Behandlungen und chirurgischer Eingriffe am Lebensende sowie die steigende Zahl an Todesfällen auf Intensivstationen (ICU) häufig den Wünschen der Patienten, die eine Lebenserhaltungstherapie ablehnen und das Anliegen haben, in einer nicht-hospitalen Umgebung zu sterben. Dies stellt eine entscheidende Herausforderung dar: die Balance zwischen modernen Behandlungsmöglichkeiten und einer patientenzentrierten Versorgung, die Würde und Autonomie respektiert. Hier wäre es der Palliativversorgung möglich, eine Schlüsselrolle einzunehmen - sowohl in Form von primärer Palliativversorgung durch alle Kliniker als auch in Form spezialisierter Palliativversorgung durch ein geschultes, interprofessionelles Team. Ein solcher Ansatz könnte insbesondere in der perioperativen und intensivmedizinischen Versorgung von Bedeutung sein, indem im Fokus die Verbesserung der Lebensqualität und nicht allein die Verlängerung der Lebenszeit steht. In dieser multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie verfolgten wir das Ziel, ein einfaches Instrument (PC-ICU Score) zu entwickeln und zu validieren, das die Beteiligung spezialisierter Palliativversorgung während einer Intensivbehandlung vorhersagen kann. So könnte eine frühzeitige Integration ermöglicht werden. Dabei wurden prädiktive Faktoren genutzt, die routinemäßig innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme auf der Intensivstation erfasst werden. Die Entwicklung des Scores erfolgte mit 60.061 Patientendaten, von denen 5,5 % eine spezialisierte Palliativversorgung erhielten. Die Fläche unter der Grenzwertoptimierungskurve (AU-ROC) betrug 0,81, was auf eine ausgezeichnete diskriminierende Fähigkeit hinweist. Die externe Validierung an zwei nordamerikanischen Zentren ergab eine gute Genauigkeit. Ein nichtkommerzieller Rechner ist verfügbar. Für Patienten, die sich einer Operation unterzogen, untersuchten wir den Zeitpunkt der perioperativen Palliativversorgung und Einflüsse auf postoperative, patientenzentrierte Endpunkte. Die Untersuchung konzentrierte sich auf den Zeitpunkt der ersten spezialisierten Palliativversorgung, die präoperativ (definiert als 30 Tage bis einen Tag vor der Operation) oder postoperativ (definiert als Tag der Operation bis 90 Tage nach der Operation) erfolgte. Der primäre Endpunkt war die postoperative Krankenhausverweildauer in Tagen, mit einer Entlassung nicht nach Hause oder ins Hospiz sowie der 30-Tage-Wiederaufnahme als sekundäre Endpunkte. Es wurden 5.960 Patienten einbezogen, von denen 26,8 % die erste spezialisierte Palliativversorgung präoperativ erhielten. Im Vergleich zur postoperativen Einbindung war die präoperative Integration spezialisierter Palliativversorgung mit einer kürzeren postoperativen Krankenhausverweildauer assoziiert, insbesondere bei Patienten ohne metastasierenden Krebs. Es gab keine Unterschiede im Hinblick auf Entlassung nicht nach Hause oder Hospize, aber das Risiko für die 30-Tage-Wiederaufnahme war bei präoperativer Palliativversorgung niedriger. Diese Daten deuten darauf hin, dass eine frühe Einbindung spezialisierter Palliativversorgung bei chirurgischen Patienten von Vorteil sein könnte und je nach Patientengruppe unterschiedlich ist. Zur Untersuchung und Optimierung der perioperativen Versorgung analysierten wir den Zusammenhang zwischen der Tageszeit und dem Risiko intraoperativer sowie postoperativer unerwünschter Ereignisse bei Patienten, die sich einer nicht-kardialen elektiven Operation unterzogen. Höhere Risiken für intraoperative Komplikationen wurden insbesondere um die Mittagszeit und gegen Ende des Arbeitstags beobachtet. Die identifizierten Risikostunden standen in Verbindung mit vermehrten postoperativen Komplikationen. Zusätzlich untersuchten wir die perioperative Sicherheit von Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT-2) Inhibitoren, Antidiabetika, die aufgrund ihrer vorteilhaften Wirkung auf die kardiovaskuläre Mortalität zunehmend auch bei herzinsuffizienten und nierenerkrankten Patienten verschrieben werden. Während bei chirurgischen Patienten, die SGLT-2-Inhibitoren einnahmen (1.383 von 21.158), ein messbarer, aber klinisch irrelevanter niedrigerer pH-Wert festgestellt wurde, zeigten sich vergleichbare Risiken für größere postoperative Komplikationen und perioperative Azidose.

 
 

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