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FOR 5826:  Machbarkeiten des Selbst. Mediale Selbstformungsprozesse in diachroner Perspektive

Fachliche Zuordnung Geisteswissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 539990504
 
Das Paradigma der Selbstformung betrachtet das Selbst als 'machbar' und zugleich in zahlreiche Abhängigkeiten und Relationen eingebunden. Es dient folglich als Korrektiv zu überholten Vorstellungen eines stabilen und souveränen Selbst. Tatsächlich modelliert sich das Selbst kontinuierlich aktiv, d. h. es richtet sich an Normen, Idealen und Diskursen aus und wird somit zugleich sowohl von außen als auch innen geformt. Akte der Selbstmodellierung finden in ästhetischen, technologischen, materiellen, diskursiven, kulturellen, ökonomischen sowie politischen und sozialen Möglichkeitsräumen statt, deren Potentiale und Grenzen dabei immer wieder explorativ und tentativ ausgelotet werden. In historischer Perspektive lassen sie sich daher vor allem in medialen Konstellationen untersuchen, die in besonderem Maße die Frage nach den Dimensionen und Grenzen ihrer 'Machbarkeit' aufwerfen. Die geplante FOR untersucht auf der Basis dieser Prämissen exemplarische Praktiken, Produkte und Konzeptualisierungen von Selbstformungen von der griechischen Antike bis ins 21. Jahr-hundert. Sie fokussiert das Denkmuster der Selbstformung insbesondere in medialen Hervorbringungen . in vielfältigen Formen von Bildern und in Texten - mit der Absicht, zeit- und gruppenspezifische Modi der Selbstformung auch aus intersektionalen und transkulturellen Perspektiven jenseits eines eurozentrischen Universalismus zu ergründen. Ziel unserer Analysen ist es, das Paradigma der Selbstformung als heuristische Kategorie in den Diskurs einzuführen und seine Relevanz seit Beginn des für uns fassbaren, weil medial, also sprachlich oder bildlich fixierten Denkens über den Menschen in seinen Bedingungsverhältnissen zu zeigen. Auch mit dem Fokus auf dem konstitutiven Moment des aktiven Handelns wollen wir das in den Geisteswissenschaften trotz aller Diskursivierungen und Problematisierungen noch immer wirksame Denkmuster vom souveränen, auch tendenziell weiß und männlich gedachten (Schöpfer-)Subjekt, das im engen Selbstbezug und der Selbstreflexion zu einem wahren und tiefen Selbstausdruck findet, relativieren. Um uns auch begrifflich von der idealistischen Subjektphilosophie und ihren weiten und folgenreichen Implikationen zu distanzieren, verwenden wir den konzeptuell neutralen Terminus des "Selbst". Wir verstehen dieses "Selbst" auch unter Rückgriff auf posthumanistische Denkansätze und Foucaults dezentriertes, in Macht- und Produktionsverhältnisse eingebundenes "Subjekt" als Knotenpunkt in einem Gefüge materieller, diskursiver und prozessualer Relationen und Konfigurationen, die wiederum mit kulturellen, ästhetischen und gesellschaftlichen Normen in Beziehung stehen.
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