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Die evolutionäre Entwicklung multimodaler und multikomponenter Kommunikation: Ein artenübergreifender Ansatz (EVOMICS)
Antragstellerin
Dr. Filipa Abreu
Fachliche Zuordnung
Evolution, Anthropologie
Biologie des Verhaltens und der Sinne
Biologie des Verhaltens und der Sinne
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568805549
Sprache wird oft als etwas dem Menschen Einzigartiges angesehen, da wir Wörter, Gesten und Ausdrücke auf komplexe Weise nutzen und kombinieren, um zu kommunizieren. Ein zentraler Bestandteil menschlicher Gespräche ist ihre Struktur: Es gibt Begrüßungen (Einleitung), die Fortführung durch abwechselnde Gesprächsführung und Engagement (Fortführung), und das Ende mit Verabschiedungen (Abschluss). Diese Struktur hilft uns, soziale Interaktionen konfliktfrei zu gestalten, Missverständnisse zu vermeiden und das Gespräch aufrecht zu erhalten. Studien zeigen, dass einige Primaten, wie Schimpansen und andere Affenarten, ebenfalls verschiedene Signale - wie Laute, Gesten und Gesichtsausdrücke - in ihren sozialen Interaktionen verwenden und diese überdies manchmal kombinieren. Zwar verstehen wir noch nicht vollkommen, ob und wie sie diese Signale in klar definierte Phasen organisieren, aber es deutet darauf hin, dass unsere einzigartige, menschliche Sprache strukturelle Ähnlichkeiten mit der Kommunikation unserer nächsten Verwandten, aufweist. Das wirft eine wichtige Frage auf: Sind diese Muster etwas, das Menschen und Primaten von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben, oder haben verschiedene Primatenarten sie unabhängig voneinander entwickelt, weil sie ähnliche soziale Bedürfnisse haben? Da Sprache keine Fossilienhinterlässt, ist eine der besten Möglichkeiten, diese Frage zu beantworten, zu untersuchen, wie andere Primaten heute kommunizieren. Um dies zu erforschen, wird das EVOMICS-Projekt Daten von verschiedenen Primaten (einschließlich dem Menschen) verwenden, um die Einflüsse der evolutionären Geschichte, sozialer Bedürfnisse und der Lebensumgebung auf die Kommunikation von Primaten zu identifizieren und voneinander zu unterscheiden. Dabei werden folgende Gruppen untersucht: Kleinkinder (6-24 Monate alt), welche die menschliche Sprache noch erlernen; Schimpansen, unsere nächsten lebenden Verwandten; Rußmangaben, eine Affenart, die am Boden lebt; und Gewöhnliche Weißbüschelaffen, kleine Affen, die dafür bekannt sind, ihre Jungen gemeinsam aufzuziehen. Durch den Vergleich dieser Arten wird das EVOMICS-Projekt zwei zentrale Aspekte untersuchen: 1. Wie nutzen und kombinieren Primaten Laute, Gesten und Berührungen zur Kommunikation, und gleicht dies unserer Art der Kommunikation? 2. Wie organisieren Primaten ihre Interaktionen? Strukturieren sie sie ähnlich wie menschliche Gespräche mit Einleitung, Fortführung und Abschluss? Mit diesen Erkenntnissen versucht das EVOMICS-Projekt herauszufinden, ob komplexe Kommunikation stärker durch soziale Bedürfnisse beeinflusst wird (mehr Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Weißbüschelaffen) oder durch die evolutionäre Geschichte (mehr Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Schimpansen). Dieses Projekt wird dazu beitragen, besser zu verstehen, woher die menschliche Sprache kommt und wie sie sich womöglich im Laufe der Zeit entwickelt hat.
DFG-Verfahren
Schwerpunktprogramme
Teilprojekt zu
SPP 2392:
Visuelle Kommunikation. Theoretische, empirische und angewandte Perspektiven (ViCom)
Internationaler Bezug
Brasilien, Frankreich
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Dr. Catherine Crockford; Professorin Dr. Nicola Schiel; Professor Dr. Antonio Souto; Dr. Roman Wittig
Mitverantwortliche
Dr. Tobias Deschner; Professor Dr. Tim Christian Kietzmann
