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Die Phonologie und Morphologie von Schimpansengesten
Antragstellerin
Professorin Dr. Katja Liebal
Fachliche Zuordnung
Biologie des Verhaltens und der Sinne
Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568832504
Sprache zeichnet sich durch das Vorhandensein von Strukturen unterhalb der lexikalischen Ebene aus: Wörter bestehen sowohl aus bedeutungslosen Lauten (d. h. Phonemen, z.B. /k/, æ/ oder /t/, die das englische Wort "cat" bilden) als auch aus bedeutungsvollen Morphemen (wie dem Suffix -s für die Bildung des Plurals "cats"). Diese Strukturen sind beim Menschen weitgehend erforscht und wurden sowohl in der Laut- als auch in der Gebärdensprache dokumentiert. Über die evolutionären Ursprünge dieser Merkmale menschlicher Sprache ist jedoch vergleichsweise wenig bekannt. Während es nur wenige Belege für phonem- und morphemähnliche Strukturen in den vokalen Kommunikationssystemen einiger Vogel- und nichtmenschlichen Primatenarten gibt, hat bisher keine Studie das Vorhandensein dieser Strukturen in der visuellen Kommunikation nicht-menschlicher Arten untersucht. Das Ziel dieses Projekts ist es daher, diese Lücke zu schließen, indem die erste phonologische und morphologische Analyse der gestischen Kommunikation von Primaten durchgeführt wird. Zu diesem Zweck werden wir die formalen Parameter des Gestenrepertoires eines unserer nächsten lebenden Verwandten, des Schimpansen (Pan troglodytes), beschreiben und die Bedeutung jeder Gestenform mit Hilfe neu entwickelter Kodiersysteme (Chimpanzee Linguistic Annotation System for Gestures und Features of Circumstances) bestimmen. Diese Analyse wird es ermöglichen, Minimalpaare und Morphem-ähnliche Strukturen im Gestenrepertoire von Schimpansen zu dokumentieren und damit den ersten Nachweis phonologischer und morphologischer Strukturen in der visuellen Kommunikation einer nicht-menschlichen Spezies zu erbringen. Durch die Untersuchung des Vorhandenseins von linguistischen Schlüsselmerkmalen in den Kommunikationssystemen anderer Tierarten wird dieses Projekt dazu beitragen, festzustellen, welche kommunikativen Merkmale einzigartig für den Menschen sind oder mit anderen Primatenarten geteilt werden, und somit Licht auf mögliche Szenarien der Sprachevolution zu werfen.
DFG-Verfahren
Schwerpunktprogramme
