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Visuelle Marker in polaren Fragen (ViPQuest)
Antragstellerinnen / Antragsteller
Dr. Cornelia Loos; Professor Dr. Floris Roelofsen
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 568890344
Polare Fragen (PF) sind wesentlicher Bestandteil menschlicher Kommunikation und existieren in den meisten Sprachen. Obwohl ihre Morphosyntax, Prosodie und Semantik in gesprochenen Sprachen gut untersucht ist, bestehen große Wissenslücken: a) Was sind visuelle Marker von PF in gesprochenen Sprachen und wie beeinflussen sie deren Verwendung; b) welche Formen und Verwendungsbedingungen haben (nicht-)kanonische PF in Gebärdensprachen; c) was ist der semantische Beitrag von visuellen Markern wie Kopf- und Augenbrauenbewegungen, Nase rümpfen oder Schulterzucken. Zudem ist ein besseres Verständnis des Status von Form-Bedeutungs-Zuordnungen bei visuellen Markern nötig - sind sie arbiträr oder ikonisch/biologisch motiviert? Unser Projekt begegnet diesen Lücken durch experimentelle und korpuslinguistische Studien von PF in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) und im Deutschen. Unsere Forschungsfragen sind: 1. Welche visuellen Marker verwenden DGS/Deutsch in verschiedenen PF-Typen (z. B. positive/negative PF, mit interrogativer vs. deklarativer Syntax, Partikeln, Fragetags)? 2. Wie beeinflussen visuelle Marker die Verwendungskontexte verschiedener PF-Typen in DGS/Deutsch (berücksichtigte Parameter: Sprecherannahmen und -präferenzen; kontextuelle Evidenz für/gegen eine Proposition)? 3. Welchen semantischen Beitrag leisten visuelle Marker in beiden Sprachmodalitäten (z. B. Sprecherannahme/-präferenz anzeigen, Überraschung ob kontextueller Evidenz)? 4. Ähnelt bzw. unterscheidet sich die Verwendung von visuellen Markern zwischen DGS/Deutsch, und was sagt uns das über den Status (einiger) visueller Marker als biologische Reflexe mentaler Zustände (z. B. Überraschung, Zweifel)? Wir beantworten diese Fragen mit korpuslinguistischen und experimentellen Methoden. WP1 zur DGS identifiziert die verschiedenen Formen von PF im DGS-Korpus (WP1a) und untersucht kontextuelle Faktoren, die deren Wohlgeformtheit beeinflussen, durch Produktions- (WP1b) und felicity judgment Studien (WP1c). WP2 zum Deutschen identifiziert mögliche visuelle Marker in verschiedenen PF-Typen in audiovisuellen Korpora (WP2a). In WP2b bitten wir Sprecher*innen, diese verschiedenen PF-Typen in unterschiedlichen Kontexten (Faktoren: Sprecherannahme,-präferenz, kontextuelle Evidenz) zu produzieren. Basierend auf den empirischen und analytischen Ergebnissen aus WP1 und WP2 entwickelt WP3 eine formal artikulierte Theorie des semantischen Beitrags visueller Marker von PF in DGS und Deutsch. Wir diskutieren zudem die allgemeinere theoretische Frage, inwieweit die Form-Bedeutungs-Zuordnung bei visuellen Markern willkürlich ist und inwieweit biologisch motiviert. Unser Projekt konzentriert sich auf zwei zentrale Formen visueller Kommunikation, Gebärdensprachen und (Co-Speech-)Gestik, und passt somit gut in das Forschungsspektrum von ViCom. Wir tragen zu ViComs Ziel bei, linguistische Theoriebildung voranzutreiben, indem wir ein formal präzises multimodales Model der PF-Semantik entwickeln.
DFG-Verfahren
Schwerpunktprogramme
Teilprojekt zu
SPP 2392:
Visuelle Kommunikation. Theoretische, empirische und angewandte Perspektiven (ViCom)
Internationaler Bezug
Niederlande
