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Von der Repräsentation zur Handlung: Wie Aufgabenrepräsentationen die freiwillige Aufgabenwahl beeinflussen
Antragstellerinnen / Antragsteller
Professorin Dr. Gesine Dreisbach; Professor Dr. Sebastian Musslick
Fachliche Zuordnung
Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 564829065
Eine zentrale Frage der Kognitionspsychologie ist, wie mentale Repräsentationen das Verhalten insbesondere beim alltäglichen Wechsel zwischen Aufgaben beeinflussen. Frühe Forschung zum Aufgabenwechsel konzentrierte sich weitgehend auf die Mechanismen des Aufgabenwechsels (z.B. Allport et al., 1995; Rogers & Monsell, 1995), lieferte jedoch nur begrenzt Erkenntnisse darüber, welche Rolle die Aufgabenrepräsentation beim Aufgabenwechsel spielt. Andere (z. B. Dreisbach, 2012; Gilbert & Shallice, 2002; Herd et al., 2014; Musslick & Cohen, 2021) schlugen vor, dass die Art der Aufgabenrepräsentation, unsere Fähigkeit, zwischen Aufgaben zu wechseln, beeinflusst. Allerdings ist bislang wenig darüber bekannt, wie diese Repräsentationen entstehen und wie sie unseren Willen, zwischen Aufgaben zu wechseln, beeinflussen. Diese Lücke wollen wir schließen, indem wir Verhaltensexperimente mit der Modellierung neuronaler Netzwerke kombinieren. Dazu vergleichen wir die Leistung zwischen Gruppen, die auf jeweils vier verschiedene Wörter in einer bestimmten Farbe und auf vier weitere Wörter in einer anderen Farbe mit rechtem oder linkem Tastendruck reagieren müssen. Hierbei erhält eine Gruppe nur Informationen über einzelne Reiz-Reaktions-Zuordnungen, wohingegen die andere Gruppe zusätzlich zwei Kategorisierungsregeln (mit der Farbe als Aufgabenhinweis) bekommt, die helfen, die Stimuli einer der beiden Reaktionen zuzuordnen. Frühere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Repräsentation basierend auf Aufgabenregeln zu signifikanten Wechselkosten führt, wohingegen die Repräsentation basierend auf Reiz-Reaktions-Zuordnungen zu schnelleren Reaktionen ohne Wechselkosten führen. Darauf aufbauend untersucht das Projekt, wie Aufgabenrepräsentationen entstehen und wie sie die Aufgabenwahl beeinflussen. Aufgaben werden als Kategorisierungsregeln definiert, wie bspw., ob ein Wort mit einem Konsonanten oder einem Vokal beginnt, oder ob es sich um ein belebtes oder unbelebtes Objekt handelt. Zusätzlich wird untersucht, wie etablierte Aufgabenrepräsentationen aktualisiert oder modifiziert werden, wenn neue Stimuli die bestehende Repräsentation verletzen (z. B. wenn ein neues Wort mit der „falschen“, Regel-inkongruenten Reaktion beantwortet werden muss). Schließlich wird erforscht, wie Aufgabenrepräsentationen basierend auf vorherigen Ähnlichkeitsurteilen der Stimuli individuell geformt werden. Jedes Verhaltensexperiment wird durch computergestützte Simulationen eines konnektionistischen Modells ergänzt, um mechanistische Erklärungen dafür zu liefern, wie unterschiedliche Verhaltensmuster aus verschiedenen Repräsentationen von Stimuli und Aufgaben entstehen. Insgesamt zielt dieses Projekt darauf ab, die kognitiven und computationalen Mechanismen zu beleuchten, die der Beziehung zwischen Aufgabenrepräsentationen und Aufgabenwechselverhalten zugrunde liegen. Es soll neue Erkenntnisse darüber liefern, wie Menschen flexibel auf wechselnde Aufgaben reagieren und zwischen Aufgaben wählen.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
