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Paläoklima und Karbonatchemie des Roten Meeres während des Marinen Isotopenstadiums 5e (MIS 5e), rekonstruiert aus massiven fossilen Korallen der Art Porites sp.

Antragstellerin Dr. Sara Todorovic
Fachliche Zuordnung Geologie
Physik, Chemie und Biologie des Meeres
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 569205274
 
Klimavariabilität während vergangener Warmzeiten zu verstehen, ist von großer Bedeutung, um zukünftige Veränderungen infolge des anthropogenen Klimawandels sowie der natürlichen Variabilität besser vorhersagen zu können. Moderne Korallenriffe sind zunehmend von marinen Hitzewellen und Veränderungen in der Ozeanchemie betroffen, doch unser Verständnis, wie Riffökosysteme in der Vergangenheit auf länger andauernde Warmzeiten reagiert haben, ist unzureichend. Das letzte Interglazial (MIS 5e, ~125.000 Jahre vor heute) war die jüngste natürliche Warmzeit, mit Temperaturen, die 1–2 °C über dem vorindustriellen Niveau lagen, einem niedrigeren atmosphärischen CO₂-Gehalt bei gleichzeitig deutlich höherem Meeresspiegel. Das hier vorgestellte Projekt zielt darauf ab, die saisonale bis interdekadische Variabilität von Klima und Karbonatchemie des zentralen Roten Meeres während MIS 5e anhand außergewöhnlich gut erhaltener fossiler Porites-Korallen von einem neu beschriebenen Riffstandort bei Rabigh, Saudi-Arabien, zu rekonstruieren. Das Rote Meer zählt zu den thermisch herausforderndsten Korallenriffregionen weltweit, mit ganzjährig hohen SSTs, hoher Salinität und minimalem Süßwassereintrag. Korallen sind hier häufigem Hitzestress ausgesetzt, zeigen jedoch ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Korallenbleiche – möglicherweise durch evolutionäre Anpassung an hohe Temperaturen und Umweltstress. Diese macht die Region zu einem idealen natürlichen Labor für das Verständnis von Anpassung der Korallen an klimatische Bedingungen, wie sie künftig erwartet werden. Trotz dieser besonderen Relevanz gibt es bislang keine hochaufgelösten korallenbasierten Rekonstruktionen für das zentrale Rote Meer während MIS 5e. Dieses Projekt verfolgt einen Multiproxy-Ansatz mit stabilen Isotopen (δ¹⁸O, δ¹³C), Spurenelementen (Sr/Ca, Li/Mg, U/Ca, B/Ca) und δ¹¹B, kombiniert mit Korallenwachstumsparametern (Dichte, Längenzuwachs, Kalzifikation), um SST, SSS und Meerwasser-pH über Zeiträume zu rekonstruieren, die sowohl die Hintergrundvariabilität als auch extreme Ereignisse umfassen. Das Projekt ist in zwei Arbeitspakete gegliedert. WP1 fokussiert auf SST- und SSS-Rekonstruktionen und analysiert den Einfluss großräumiger Klimamuster sowie regionaler hydrologischer Dynamiken. WP2 widmet sich Karbonatchemie und thermischem Stress mittels Bor-Systematik und CT-basierter Analysen zur Identifikation möglicher Stressreaktionen während MIS 5e. Die entstehenden Rekonstruktionen aus einer wärmeren Vergangenheit, die etwa ein Jahrhundert abdecken und gleichzeitig eine etwa monatliche Auflösung erlauben, werden eine wichtige Referenz für das Verständnis von Klimaeinflüssen auf Korallenriffe liefern. Das Projekt trägt damit zu den Zielen bei, indem es Projektionen tropischer Klimavariabilität und Riffresilienz unter zukünftiger Erwärmung verbessert.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
Internationaler Bezug Frankreich
Kooperationspartner Dr. Eric Douville
 
 

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