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Kommunizierende Röhren. Pipelines als Medien der Vernetzung
Antragstellerin
Professorin Dr. Susanne Strätling
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 543294515
Vernetzungen von Räumen und Akteur:innen sind auf Infrastrukturen angewiesen, über die Güter, Subjekte und Daten zirkulieren können. Unter all denjenigen Infrastrukturen, die hier potentiell in den Blick geraten – wie zum Beispiel Schienenverkehrsstränge, Wasserwege, Stromnetze oder Luftbrücken – konzentriert sich das vorliegende Projekt auf Pipelines. Ihre Schlüsselrolle für den Transfer von Stoffen verleiht Pipelines auch eine bisher kaum erforschte symbolische Funktion, die weit über ihre rein technischen Zweckbindungen hinausweist. Leitende Hypothese des Projektes ist, dass diese symbolisch-technische Doppelfunktion von Pipelines sie zu privilegierten Medien der Verhandlung grenzüberschreitender Verflechtungs- und Entflechtungsnarrative macht. Die hybride Funktion von Pipelines zwischen technischen Infrastrukturen und symbolischen Medien untersucht das Teilprojekt am Leitfaden dreier großer Pipelinestränge zwischen Ost- und Westeuropa: 1. der Sojuz-Pipeline, deren Bau als ressourcengetriebenes Völkerfreundschaftsprogramm angelegt war, 2. der Pipeline Urengoj-Pomary-Užgorod, die als „physical, living link between East and West” (Blinken 1987: 34) propagiert wurde, sowie 3. der umstrittenen Nord Stream 2, die von Kritikern auch als „Molotow-Ribbentrop-Pipeline“ bezeichnet wurde und die 2022 zum infrastrukturellen Schlüsselobjekt der Zeitenwende in den deutsch-russischen Beziehungen mutierte. Alle drei Energietransportstränge markieren von den 1970er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart hinein unterschiedliche Punkte in einer spannungsreichen geopolitischen Entwicklungsdynamik. Dabei erlaubt die Spezifik der Fallbeispiele eine Reihe von Differenzierungen, welche die komplexe Geschichte ihrer kulturellen Imaginationen betreffen. Leitfragen des Projektes sind: Was transportieren diese Pipelines jenseits fossiler Energieträger? Wie operieren sie als polyfunktionale Medien der symbolischen und materiellen Übertragung? Wie werden über sie Beziehungsverhältnisse zwischen Kontakt und Konflikt ausgehandelt? Welche Chronotopoi transkultureller Zirkulation und Vergemeinschaftung entwickeln sich entlang ihrer Trassenverläufe?
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
