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Energieübergänge in eurasischen (Post-)Imperien: Russland und die Türkei in vergleichender Perspektive
Antragsteller
Professor Dr. Theocharis Grigoriadis
Fachliche Zuordnung
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 543294515
Dieses Forschungsprojekt untersucht die Dynamiken von Energieentdeckungen und -übergängen im postimperialen eurasischen Raum anhand einer vergleichenden Analyse Russlands und der Türkei. Im Fokus steht die Frage, wie die Entdeckung und Transformation von Energiequellen – insbesondere Erdöl, Kernenergie und erneuerbare Energien – die Staatsbildung, wirtschaftliche Entwicklung und außenpolitische Strategien in beiden Ländern geprägt haben. Die Vergleichsperspektive basiert auf der gemeinsamen Geschichte beider Staaten als multiethnische Imperien (Russisches Reich und Osmanisches Reich) sowie auf ihrer strategischen Nutzung von Energieressourcen als Instrumente der Modernisierung und Machtsicherung. Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der ökonomische, historische und politikwissenschaftliche Methoden integriert. Die Forschung ist in zwei zentrale Arbeitspakete gegliedert. Im Arbeitspaket 1 (Promotionsprojekt) wird die Untersuchung der ökonomischen und institutionellen Folgen früher Erdölentdeckungen im Russischen und Osmanischen Reich unternommen. Im Mittelpunkt stehen drei Themenfelder: 1. Die Entdeckung und Ausbeutung von Erdöl im Kaspischen Meer durch die Gebrüder Nobel und deren Bedeutung für die Entwicklung des Russischen Reichs, der Sowjetunion und des heutigen Aserbaidschan, 2. Die Erschließung von Erdölvorkommen im Nordirak und ihr Einfluss auf das späte Osmanische Reich, die Republik Türkei und Irak, 3. Die Hypothese, dass Energieentdeckungen grundlegende Energieübergänge darstellen, die sowohl für imperiale als auch postimperiale Staatsbildungsprozesse und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung sind. Die empirische Grundlage bilden qualitative und quantitative Daten, die aus den osmanischen Archiven in Istanbul, den aserbaidschanischen Archiven in Baku sowie aus geokodierten sozioökonomischen Datensätzen gewonnen werden. Im Arbeitspaket 2 (Projektleitung) wird die Untersuchung der Rolle von Kernenergie und erneuerbaren Energiequellen (Solar-, Wind-, Geothermie- und Wasserkraft) als alternative Ressourcenstrategien im zeitgenössischen Zentralasien (Kasachstan und Usbekistan) sowie in der Türkei. Dieses Arbeitspaket analysiert die sozioökonomischen Auswirkungen erneuerbarer Energien in der Türkei mithilfe von statistischen Verfahren und spieltheoretischer Modellierung. Ferner untersucht es den russischen Nuklearsektor als Instrument geopolitischer Einflussnahme und zur Externalisierung russischer Energietechnologien im postsowjetischen Raum. Die Spannungen zwischen regionaler Entwicklung und dem Erhalt kultureller bzw. ökologischer Systeme, insbesondere im türkischen Kontext sind auch von zentraler Bedeutung. Das Projekt verknüpft historische Energieübergänge mit aktuellen energiepolitischen Herausforderungen und leistet einen innovativen Beitrag zu den Forschungsfeldern der vergleichenden Energieökonomik, Rohstoffpolitik und der politischen Ökonomie des postimperialen Eurasiens.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Internationaler Bezug
Kasachstan, Türkei, Usbekistan
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professorin Dr. Senem Aydin-Düzgit; Professor Dr. Bakhtiyor Eschanov; Professorin Dr. Zhanna Kapsalyamova; Professor Dr. Pengshan Pan
