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Raumbildende Wasserenergien: Zwischen Sowjetmoderne, nation-building und globa-len Ökologien
Antragstellerin
Professorin Dr. Susanne K. Frank
Fachliche Zuordnung
Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft; Kulturwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 543294515
Das Projekt richtet den analytischen Blick auf die Konstituierung und Ver-/Entflechtung von kulturellen, politischen, wirtschaftlichen Räumen durch die aus Flüssen gewonnenen Wasserenergieformen und ihre Infrastrukturen, auf die Transformation dieser Räume, des Verhältnisses der Wasserenergien und ihrer kulturellen Semantiken zwischen sowjetischer Moderne, (post)sowjetischem nation-building und globalen Ökologien. Flüsse als „flow of energy“ (Tvedt/Jakobsson 2006), die durch sie gebildeten Flussregionen, ihre dramatische Umformung durch die landschafts-, wirtschafts- und lebensverändernden Kraftwerksbauten und Wasserinfrastruktur der Sowjetmoderne und die bis heute wirksamen „Soviet Water Legacies“ werden exemplarisch vergleichend anhand zweier Regionen untersucht: 1. des als nationaler Fluss der Ukraine kodierten Dnipro/Dnepr, dessen sowjetisches „Erbe“, die sechstufige Kaskade von Wasserkraftwerken und Staustufen durch die Sprengung des größten, des Kachovka-Staudamms im Zuge des Angriffskriegs durch Russland zerstört wurde, wodurch nicht nur eine Überschwemmungs- und temporäre Umweltkatastrophe ausgelöst wurde, sondern paradoxerweise evtl. auch die längerfristige ökologische Restitution der national konnotierten Landschaft der Dnipro-Schwellen; und 2. des Naryn und Syr-Darja in Zentralasien, der Region, in deren wasserenergetischer Situation sich nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern auch das Scheitern des sowjetischen Projekts der gewaltsamen Ermächtigung und ausbeutenden Beherrschung der Wasserenergie am eindrücklichsten manifestiert: Was als Energiegewinnungs- und Bewässerungsprojekt für eine ganze Makroregion geplant war, mündete im unwiederbringlichen Austrocknen des größten Binnengewässers Eurasiens, das Aralsees. Neu in der Forschung ist die Frage, wie sich lokale Mythopoetiken des Wassers und seiner Ökologien trotz der Überschreibung durch die Kodierung von Flüssen als Energieträger und Leitungen im Kontext der Moderne transformierten oder unterschwellig erhielten und im Zusammenhang von nation-building nicht nur neue Aktualität gewinnen, sondern auch für die Herausbildung eines grundlegend neuen, ökologischen Verständnisses der aus Flüssen stammenden Wasserenergien und ihrer raumbildenden agency Relevanz gewinnen konnten. Wir untersuchen die Konvergenzen und Spannungen zwischen Wasser, Wasserwegen und Kraftwerksanlagen in ihrer konkreten Raumstrukturierung und in ihrer ständig ‚im Fluss‘ befindlichen Gestalt auf der einen Seite und der symbolischen Konzeptualisierung der Fluss-/Wasserenergien und Wasser-Räume („water nation“), im Fall Zentralasiens auch in Hinblick auf die Konkurrenz miteinander („hydro hegemony“; „resource nationalism“). Insbesondere die Sinnzuschreibung als kollektives/nationales Erbe und die zwischen Wasserenergien und symbolischen Überformungen wechselnde agency sind anhand eines diskursiv und medial vielfältigen Materialkorpus herauszuarbeiten.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Internationaler Bezug
Kirgisistan
Kooperationspartnerin
Dr. Azel Murzakulova
