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Digitales Imperium: Chinesische imperiale Praktiken und Infrastruktur im Globalen Süden
Antragsteller
Professor Dr. Maximilian Mayer
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 550231771
In diesem Projekt wird die zentrale Rolle transnationaler Konzerne bei der Ausweitung neuer imperialer Kontrollstrukturen untersucht. Der Fokus liegt dabei auf den Praktiken chinesischer Hightech-Unternehmen und des Parteistaates bei der Entwicklung digitaler Infrastrukturen und der Bereitstellung von Konnektivität im Globalen Süden im Zeitraum von 2010 bis 2030. Ziel ist es, die Lernprozesse zu beleuchten, die Politikanpassungen ermöglichen und ein zunehmendes Maß an Abstimmung zwischen verschiedenen chinesischen Akteuren fördern. Diese Prozesse gehen mit dem Aufstieg der Volksrepublik China zu einem neuen digitalen Imperium einher. Zudem wird analysiert, ob und wie die Praktiken chinesischer Konnektivitätsanbieter zur Kontrolle aller Ebenen des sogenannten "digitalen Stacks" führen, auf den Regierungen und Akteure in Ländern wie Äthiopien angewiesen sind. Dabei soll das Ausmaß untersucht werden, in dem die ostafrikanische Region durch die wachsende Dominanz chinesischer Unternehmen und digitaler Abhängigkeiten zur Peripherie wird, sowie die damit einhergehenden Autonomiegewinne für das imperiale Zentrum. Das Projekt basiert auf den Annahmen der Forschungsgruppe, wonach sich China zu einem "lernenden Imperium" entwickelt. Es verfolgt einen multimethodischen Ansatz, der Dokumentenanalysen, Interviews, vergleichende statistische Daten zu digitalen Abhängigkeiten sowie Fallstudien auf Grundlage von Feldforschung zur zunehmenden Abhängigkeit Äthiopiens von chinesischen IKT-Unternehmen kombiniert. Erstens sollen die Dynamiken des politischen Lernens innerhalb der Koordinationsprozesse zwischen dem chinesischen Parteistaat und Unternehmen wie Huawei und Alibaba beleuchtet werden - unter Berücksichtigung der Handlungsspielräume der Gastgeberländer der Belt-and-Road-Initiative (BRI). Zweitens wird ein quantitativer Datensatz zu digitalen Abhängigkeiten verwendet, um das Ausmaß der Kontrolle chinesischer Firmen über die verschiedenen Ebenen des digitalen Stacks in Afrika, insbesondere in Äthiopien, zu messen. Drittens wird in zwei Fallstudien - einerseits Telebirr, das von Huawei entwickelte staatliche digitale Bezahlsystem Äthiopiens, und andererseits Alibabas Electronic World Trade Platform (eWTP) - untersucht, wie es zur Schaffung infrastruktureller Intermediäre kommt. Ziel ist es, das Verständnis für die Entstehung von Kontrollstrukturen im Rahmen von Chinas digitalem Imperium im Globalen Süden zu vertiefen und den Fortschritt infrastruktureller Peripheralisierung einschließlich ihrer Paradoxien und Begrenzungen zu analysieren. Dabei wird ebenso untersucht, inwieweit sich der äthiopische Staat, Start-ups und Hochschulen an chinesischen Regulierungen und politischen Narrativen im Bereich digitaler Infrastrukturen orientieren. Abschließend wird bewertet, inwieweit chinesische Akteure durch die wachsenden Abhängigkeiten in der Peripherie zunehmend autonomer agieren können.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
