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FOR 5913: Learning Empire. Autonomie, Abhängigkeit und Chinas entstehende imperiale Praktiken
Fachliche Zuordnung
Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 550231771
Hat sich die Volksrepublik China zu einem neuartigen Imperium entwickelt? Welche sind ihre zentralen imperialen Praktiken und wie und warum werden sie eingesetzt und adaptiert? Diese Forschungsgruppe ist von der Beobachtung inspiriert, dass China im Jahr 2013 seine Tradition der "Zurückhaltung" auf internationaler Ebene aufgegeben hat. Stattdessen sind politische Führer und Wirtschaftseliten über eine kontrollierte Integration in die etablierte internationale Ordnung hinausgegangen und lernen, sinozentrische Hierarchien aufzubauen. Dies spiegelt sich in einem aggressiven Verhalten gegenüber Taiwan, dem Aufbau asymmetrischer "Partnerschaften" insbesondere im sogenannten Globalen Süden, sowie der Schaffung eines von China geführten Systems der Finanz-, Digital-, Wissenschafts- und Weltrauminfrastruktur wider. Unser Ziel ist es, diese neue Dimension der globalen Praktiken Chinas besser zu verstehen und zu erklären. Hierfür ist es zunächst erforderlich, die VR China nicht mehr lediglich als aufstrebende Macht zu betrachten. Ferner ist es notwendig, den Parteistaat als ein lernfähiges Regime zu verstehen. Wir gehen davon aus, dass China zwar keine "grand strategy" zur Erlangung globaler Vorherrschaft verfolgt, viele neue Praktiken jedoch eine imperiale Qualität haben. Vor dem Hintergrund geopolitischer Veränderungen versuchen chinesische Akteure, mehr Autonomie aufzubauen. Dies fördert jedoch auch die vielleicht zunächst unbeabsichtigte Schaffung einer Abhängigkeit ausländischer Akteure und Institutionen von China. Erstens konzentrieren wir uns auf das Politiklernen und auf die Faktoren, die chinesische Entscheidungsträger dazu veranlassen, ihren Kurs anzupassen. Zweitens untersuchen wir fünf spezifische imperiale Praktiken: die Kontrolle über transnationale Wirtschaftsstrukturen, die Schaffung von Intermediären, "Teile und herrsche", ideelle Bindung sowie die Androhung und Anwendung von Gewalt. Drittens analysieren wir die Ergebnisse dieser Praktiken. Ein ergänzendes Ziel ist es, unser konzeptionelles Instrumentarium zu einem theoretischen Rahmen für die Untersuchung von Imperien weiterzuentwickeln. Damit leisten wir auch einen Beitrag zu Debatten über die Zukunft internationaler Ordnung(en). Aufbauend auf Erfahrungen in den Bereichen Internationale Beziehungen, Internationale Politische Ökonomie und Chinastudien - und unter Verwendung qualitativer und multimethodischer Forschungsdesigns - untersuchen acht Projekte chinesische Praktiken in für den Aufbau eines Imperiums entscheidenden Bereichen: Finanzen und Auslandsinvestitionen, Infrastrukturen, Rohstoffe, Ideologie und Wissenschaft. Auf dieser Grundlage beurteilen wir, ob und wie sich in China eine imperiale Elite herausbildet, wie chinesische Praktiken ein neuartiges Imperium schaffen und welche dessen charakteristischen Merkmale sind. Ebenso können wir die Ergebnisse dieser Praktiken in Bezug auf Autonomie und Abhängigkeit bewerten.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Internationaler Bezug
Australien, China, China (Hongkong), Großbritannien, Indonesien, Kanada, Katar, Singapur, USA
Projekte
- Chinas Rohstoffimperium: Imperiale Praktiken bei der Gewinnung und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe im Ausland (Antragstellerin Rabe, Wiebke Antonia )
- Das unnachgiebige Empire: Chinas Streben nach der Peripheralisierung Taiwans (Antragsteller Schubert, Gunter )
- Digitales Imperium: Chinesische imperiale Praktiken und Infrastruktur im Globalen Süden (Antragsteller Mayer, Maximilian )
- Financial Empire: Chinas Konstruktion eines alternativen Finanzsystems (Antragsteller Petry, Johannes )
- Imperiale Ideologie: Chinas Praktiken der ideellen Bindung in der Globalen Governance (Antragsteller Stephen, Matthew )
- Koordinationsfonds (Antragsteller ten Brink, Tobias )
- Volumetrisches Imperium: Autonomie und Abhängigkeit im Export chinesischer Weltrauminfrastruktur (Antragstellerin Godehardt, Nadine )
- Wirtschaftsimperium: Peripheralisierung entlang chinesisch geführter grüner Wertschöpfungsketten (Antragsteller ten Brink, Tobias )
- Wissenschaftsimperium: Infrastrukturkontrolle und ideelle Bindung in Chinas internationalen Großforschungsprojekten (Antragstellerin Ahlers, Anna Lisa )
Sprecher
Professor Dr. Tobias ten Brink
