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Financial Empire: Chinas Konstruktion eines alternativen Finanzsystems
Antragsteller
Dr. Johannes Petry
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 550231771
Finanzen waren schon immer ein zentrales Fundament von Imperien. Besonders seit Beginn der kapitalistischen Ära ermöglichten Kontrolle über Kapitalflüsse, Währungsregime und Finanzinstitutionen Imperien, Vermögenswerte zu extrahieren und langfristige ökonomische Abhängigkeiten zu verfestigen. Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems wurde das globale Finanzsystem historisch von amerikanischen Finanzinstitutionen dominiert. Inzwischen ist jedoch auch China zu einem zentralen Knotenpunkt im globalen Finanzsystem geworden. In den letzten Jahrzehnten haben Forscher den Aufstieg Chinas im globalen Finanzsystem zunehmend in den Blick genommen - von der Analyse unterschiedlicher Staat-Markt-Konfigurationen bis hin zum Verständnis der kontrollierten Finanzöffnung und Internationalisierung Chinas innerhalb einer neoliberalen, von den USA dominierten Finanzordnung. Jüngste geoökonomische Verschiebungen - insbesondere die strategische Instrumentalisierung finanzieller Interdependenzen (weaponized interdependence) durch die Vereinigten Staaten – haben aber einen tiefgreifenden Wandel angestoßen, der neue Bruchlinien schafft und wichtige Fragen zu Chinas zukünftiger Rolle im globalen Finanzsystem aufwirft. Während in der Vergangenheit Chinas (kontrollierte) Integration in ein neoliberales, US-dominiertes globales Finanzsystem im Vordergrund wissenschaftlicher Arbeiten stand, analysiert dieses Projekt die aktuelle Verschiebung in Chinas globalen Finanzpraktiken - insbesondere den Aufbau eines sinozentrischen Finanzsystems als Teil eines umfassenderen imperialen Projekts. Das Projekt untersucht diese transformative Phase anhand von drei miteinander verknüpften Leitfragen: Warum schafft China ein paralleles Finanzsystem (Lernen)? Wie geschieht dies konkret (Praktiken)? Und welche Implikationen haben diese Entwicklungen für globale Konstellationen von Autonomie und Abhängigkeit (Ergebnisse)? Ziel des Projekts ist es, politische Lernprozesse in der chinesischen Finanzpolitik zu verstehen, den Aufbau von Intermediären und infrastruktureller Kontrolle als imperiale Praktiken zu analysieren, und die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf globale finanzielle Autonomie- und Abhängigkeitsverhältnisse zu untersuchen. Im Zentrum stehen dabei zwei miteinander verknüpfte politische Maßnahmen, mit denen zentrale Voraussetzungen für ein Finanzimperium geschaffen werden sollen: Chinas Bemühungen, Preissetzungsmacht auf Rohstoffmärkten zu erlangen, sowie die Förderung der Internationalisierung chinesischen Kapitals. Das Projekt folgt einem multimethodischen Forschungsdesign, das deskriptive Statistik, Politikdokumentanalysen, Feldforschung und mehrere Fallstudien (Shanghai, Peking, Hongkong, Singapur, Abu Dhabi, London, Chicago, New York) kombiniert. Ziel ist es, das mögliche Entstehen eines alternativen sinozentrischen Netzwerks finanzieller Ströme, Akteure und Märkte im Kontext des übergeordneten Prozesses des chinesischen Empire-Buildings zu untersuchen.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Teilprojekt zu
FOR 5913:
Learning Empire. Autonomie, Abhängigkeit und Chinas entstehende imperiale Praktiken
Internationaler Bezug
Australien, China, China (Hongkong), Großbritannien, Indonesien, Kanada, Katar, Singapur, USA
Kooperationspartnerinnen / Kooperationspartner
Professor Mohammed Al-Sudairi; Professor Dr. Ilias Alami; Professorin Muyang Chen; Professor Shahar Hameiri; Professor Moch Faisal Karim; Professor Chen Li; Professorin Pascale Massot; Professor Dr. Christopher McNally; Professor Horacio Ortiz; Professor Robert Pauls; Professor Dariusz Wójcik
