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Imperiale Ideologie: Chinas Praktiken der ideellen Bindung in der Globalen Governance
Antragsteller
Professor Dr. Matthew Stephen
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 550231771
Imperien fördern imperiale Ideologien, um ihre Herrschaft zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten, wobei sie Untergebene ideell an das Imperium binden. Wenn China sich zu einem neuartigen Imperium entwickelt, wie spiegelt dies sich in imperialen Praktiken ideeller Bindung? Dieses Forschungsprojekt geht dieser Frage nach, indem es die Entwicklung, Förderung und Rezeption von Chinas Bemühungen untersucht, Deutungen globaler Governance zu gestalten. Mit dem Aufstieg Chinas zu einer globalen Macht hat das Land gelernt, seine Diskursmacht gezielt zu fördern und sein ideelles Umfeld aktiv umzugestalten. Im Zentrum des Projekts stehen Praktiken ideeller Bindung, verstanden als zentrale Mechanismen imperialer Herrschaft, durch die Imperien ihr ideelles Umfeld formen und weitere imperiale Praktiken ermöglichen. Ideelle Bindung beruht typischerweise auf der Verbreitung ideologischer Rechtfertigungen für eine sich herausbildende imperiale Ordnung, die als effizienter, gerechter und sicherer präsentiert wird. Gelingt dies, werden Praktiken legitimiert, die hierarchische Strukturen in der Weltpolitik etablieren. Beispielsweise könnte die Verbreitung chinesischer Ideologie im Ausland zu einer ideellen Abhängigkeit führen, wenn sie China die Autorität einräumt, die Bedeutung internationaler Normen oder den internationalen Status von Akteuren zu definieren. Indem es sich mit Chinas ideeller Bindung nach außen und deren Rezeption in der Weltpolitik befasst, trägt das Projekt zu einem besseren Verständnis imperialer Ideen in einem zunehmend interimperialen 21. Jahrhundert bei. Konkret analysiert das Projekt, wie China den Einsatz ideeller Bindung auf drei Ebenen globaler Governance erlernt. Im Einklang mit dem analytischen Fokus der Imperienforschung wird sowohl eine internationale als auch eine intergesellschaftliche Perspektive eingenommen, die zwischenstaatliche Organisationen, transnationale Foren und innergesellschaftliche Kontexte umfasst. Methodisch kombiniert das Projekt qualitative und quantitative Ansätze und stützt sich auf die Zusammenarbeit von Forschenden mit unterschiedlichen komparativen Vorteilen. Im Fokus steht die Verbreitung von Chinas zentralen Ideen zur internationalen Ordnung, wie der "Gemeinschaft mit geteilter Zukunft für die Menschheit" sowie den drei "Globalen Initiativen" - der Globalen Entwicklungsinitiative, der Globalen Sicherheitsinitiative und der Globalen Zivilisationsinitiative. Ebenso werden zugrunde liegende Vorstellungen von Gerechtigkeit, Sicherheit und Effizienz berücksichtigt. Indem diese Elemente zusammengeführt werden, untersucht das Projekt, ob Chinas Praktiken ideeller Bindung auf das Entstehen einer imperialen Ideologie hinweisen.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Teilprojekt zu
FOR 5913:
Learning Empire. Autonomie, Abhängigkeit und Chinas entstehende imperiale Praktiken
Mitverantwortlich
Dr. Steven Langendonk
