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Chinas Rohstoffimperium: Imperiale Praktiken bei der Gewinnung und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe im Ausland
Antragstellerin
Professorin Dr. Wiebke Antonia Rabe
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 550231771
Imperien hatten es stets zum Ziel, den Zugang zu Rohstoffen aus ihren Peripherien zu sichern. Dem gegenwärtigen China ist es in erstaunlich kurzer Zeit gelungen, eine Vormachtstellung in der globalen Rohstoffindustrie zu erlangen und dabei oftmals die zuvor von westlichen Ländern eingenommene Schlüsselrolle zu ersetzen. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als viele chinesische Projekte der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung im Ausland in politisch und wirtschaftlich herausfordernden Umfeldern stattfinden. Zur Erklärung dieses empirischen Rätsels analysieren wir China als ein "lernendes Rohstoffimperium", das zunehmend Kontrolle über globale Wertschöpfungs- und Versorgungsketten in der Rohstoffindustrie ausübt. Wir gehen davon aus, dass Chinas besondere Stellung in der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung im Ausland auf zwei Faktoren zurückzuführen ist: Erstens auf seine schnellen Lern- und Anpassungsfähigkeiten gegenüber Veränderungen im Partnerland wie im globalen Kontext; zweitens auf Praktiken, die zusammengenommen eine imperiale Qualität aufweisen. Das Projekt beantwortet die folgenden Fragen: 1) Wie lernt China, seine Rohstoffprojekte im Ausland zu etablieren, aufrechtzuerhalten und auszuweiten? 2) Welche Praktiken wendet China in rohstoffreichen Ländern an? 3) Inwieweit ist es China gelungen, seine Autonomie bei der Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen zu sichern? 4) Was sind die Auswirkungen auf die Abhängigkeiten der Partnerländer von China? Wir konzentrieren uns auf vier kritische Mineralien der Energiewende, die für China eine politische Priorität darstellen und für seine strategischen Zukunftsindustrien von zentraler Bedeutung sind: Kobalt, Kupfer, Lithium und Nickel. Untersucht werden drei Regionen, in denen China eine Schlüsselposition eingenommen hat und die zudem bedeutende globale Lieferanten dieser Rohstoffe sind: der Kupfergürtel in Afrika, das Lithium-Dreieck in Lateinamerika sowie Indonesien. Im ersten Schritt zeichnen wir den Lern- und Anpassungsprozess chinesischer politischer und wirtschaftlicher Eliten im Kontext globaler und lokaler Veränderungen in den Partnerländern nach. Im zweiten Schritt überprüfen wir drei Annahmen zu Chinas imperialen Praktiken: a) China übt Kontrolle über die Rohstoffindustrien und die zugehörige Infrastruktur in Partnerländern aus; b) China etabliert Intermediäre in Partnerländern, die die chinesischen Investitionen erleichtern und fördern; c) China verfolgt eine Teile-und-Herrsche-Strategie, bei der gezielt unterschiedlichen lokalen Akteuren Privilegien eingeräumt werden. Abschließend untersuchen wir die Ergebnisse dieser Praktiken in Bezug auf ihren Erfolg bei der Erreichung chinesischer Autonomie und der Schaffung von Abhängigkeiten der Partnerländer gegenüber China. Das Projekt stützt sich auf Interviews, die in China und den jeweiligen Partnerländern geführt werden, sowie auf chinesische Politikdokumente, Medienberichte, Unternehmensverlautbarungen und Wirtschaftsstatistiken.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
