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Volumetrisches Imperium: Autonomie und Abhängigkeit im Export chinesischer Weltrauminfrastruktur
Antragstellerin
Dr. Nadine Godehardt
Fachliche Zuordnung
Politikwissenschaft
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 550231771
Die Schaffung eines Imperiums wird oft mit der Ausweitung von Territorium gleichgesetzt. Gegenwärtig wird deutlich, dass Imperien nicht ausschließlich auf horizontale territoriale Expansion setzen, sondern zunehmend auf die Kontrolle von vertikalen Räumen. In diesem Projekt liegt der Fokus darauf, wie volumetrische Räume, die früher außerhalb der Reichweite menschlichen Einflusses lagen, für die globalen Ambitionen eines Landes heute entscheidend werden können. Zu diesen Räumen gehören etwa die Atmosphäre, die Tiefsee oder die Polarregionen, insbesondere aber der Weltraum. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die Entwicklung Chinas zu einem volumetrischen Imperium. Der empirische Schwerpunkt liegt auf den chinesischen Raumfahrtinfrastrukturexporten nach Afrika, d. h. dem Bau von Satelliten und Bodenstationen, der Bereitstellung von Satellitendaten und -dienstleistungen für afrikanische Länder sowie dem Start ausländischer Satelliten von chinesischem Boden aus. Zentrales Erkenntnisziel ist die Frage, wie diese Exporte die Abhängigkeit der jeweiligen Länder von China erhöhen und ob diese Praktiken gleichsam Chinas Autonomie fördern. Erstens erforschen wir politisches Lernen, genauer, wie und wann die chinesische Führung volumetrische Dimensionen in ihren außenpolitischen Diskurs und ihre Außenbeziehungen integriert hat. Zweitens analysiert das Projekt die beiden imperialen Praktiken der Kontrolle über wirtschaftliche Strukturen und der ideellen Bindung. Zu diesem Zweck analysieren wir die Exporte der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC) nach Afrika, wobei insbesondere die raumfahrtbezogenen Kooperationen mit Äthiopien und Südafrika untersucht werden. Dabei sollen Pfadabhängigkeiten aufgezeigt werden, die entstehen, wenn Länder auf chinesische Raumfahrtinfrastruktur zurückgreifen. Anschließend wird untersucht, inwieweit der Parteistaat mit Hilfe internationaler, regionaler oder bilateraler Mechanismen diskursive Autorität erlangt, um das Narrativ einer bedeutenden Weltraummacht für afrikanische Länder zu fördern. Wir konzentrieren uns insbesondere darauf, wie es der chinesischen Führung gelungen ist, den Diskurs über ihre raumfahrtbezogenen Praktiken in regionale Mechanismen einzubetten, in diesem Fall in das Forum für chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit (FOCAC), und wie sie dabei mehr Einfluss über afrikanische Länder gewinnen. Drittens werden wir im Hinblick auf die Ergebnisanalyse imperialer Praktiken verschiedene Typen von Peripherien aufzeigen, die das chinesische Imperium kennzeichnen. Dabei konzentrieren wir uns auf die Entstehung von Peripherien als Produkte imperialer Praktiken wie etwa materiell geprägte Peripherien, diskursiv geprägte Peripherien und territorialisierte Peripherien. Methodisch stützt sich das Projekt auf lexikometrische Textanalyse, interpretative Textanalyse, Information Mapping und semi-strukturierte Interviews.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
