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Gezielte Modulation der CX3CL1/CX3CR1-Achse zur Begrenzung der frühen neutrophilen Rekrutierung nach Myokardinfarkt
Antragsteller
Professor Dr. Ali El-Armouche; Dr. Erik Klapproth
Fachliche Zuordnung
Kardiologie, Angiologie
Pharmakologie
Pharmakologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 555094884
Nach einem Myokardinfarkt ist die schnelle Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes durch perkutane Koronarintervention (PCI) die effektivste Maßnahme zur Begrenzung der Infarktnarbe. Jedoch existieren bislang keine Zusatztherapien, die gezielt die Immunantwort modulieren und dadurch die kardiale Regeneration verbessern. Die angeborene Immunantwort ist nach Infarkt einerseits essenziell für die Beseitigung nekrotischer Zellen und Einleitung der Reparaturprozesse, andererseits führt eine übermäßige oder fehlgesteuerte Infiltration inflammatorischer Zellen zur Schädigung von vitalem Myokard und begünstigt maladaptive Umbauprozesse. Unsere aktuellen Vordaten identifizieren eine bisher nicht charakterisierte Population CX3CR1-exprimierender neutrophiler Zellen (CX3CR1+ Neutrophil-like Cells), die in der subakuten Phase (Tag 3-7) nach Infarkt im Herzgewebe auftreten. Diese "späten" Neutrophilen weisen ein transkriptionelles Profil auf, das sich deutlich von klassischen neutrophilen Granulozyten unterscheidet: Geringere Expression proinflammatorischer Gene, aber erhöhte Expression von Faktoren der extrazellulären Matrix (ECM) deuten auf eine potenzielle Rolle in der Narbenbildung und maladaptiven Umbauprozessen nach MI hin. Zudem korreliert die Anzahl CX3CR1+ Neutrophil-like Cells mit eingeschränkter kardialer Funktion. Wir postulieren, dass CX3CR1+ Neutrophil-like Cells ein pathologisch relevanter Zelltyp im inflammatorischen Umbau des Herzens ist und gezielt therapeutisch moduliert werden kann. Aufbauend auf umfassenden Vorarbeiten verfolgen wir einen translationalen Forschungsansatz, der von der Zelltypisierung über funktionelle in-vitro-Analysen bis hin zur gezielten in-vivo-Modulation reicht. Ziel unseres Projekts ist es daher, diese Zellpopulation umfassend zu charakterisieren (Phänotyp, Ontogenie, Funktion) und mittels neutrophilspezifischer CX3CR1-Depletion und adoptivem Zelltransfer zu überprüfen, ob dieser Zelltyp eine kausale Rolle für Verschlechterung kardialer Funktion nach Myokardinfarkt spielen. Die Relevanz für den Menschen wird über Immunzellanalysen in Infarkt-Patient:innen und iPSC-basierte Modellierung geprüft. Damit wird ein neuer, selektiver Therapieansatz getestet, der gezielt einen pathogenen Immunzellsubtypen in der frühen Phase nach Myokardinfarkt moduliert und möglicherweise destruktive Immunantworten abschwächt. Unser Projekt verbindet Grundlagenmechanismen der Immunmodulation mit translationaler Zielvalidierung und legt damit den Grundstein für eine zukünftige gezielte Immunintervention in der frühen Phase nach Myokardinfarkt.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
