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FOR 5392:  Konsument:innenpräferenzen, Konsument:innenfehler und Unternehmensantwort

Fachliche Zuordnung Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Förderung Förderung seit 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 462020252
 
Profitorientierte Unternehmen nutzen eine Vielzahl von Strategien, um Konsument:innen auszubeuten. Dazu gehören zum Beispiel unnötig aufwendige Verfahren für Konsument:innen, um Verträge zu kündigen; das Zurückhalten oder die absichtlich missverständliche Bereitstellung von Produktinformationen; die Verwendung von Vertragsklauseln, welche vorhersehbar von Konsument:innen nicht gelesen werden und versteckte Kosten aufbürden; sowie ganz allgemein das Design von Verträgen, Verkaufsstellen, Verkaufsgesprächen, oder Webseiten, um psychologische Faktoren auszunutzen. Empirische Marktstudien und ökonomische Intuition weisen drauf hin, dass diese Ausnutzungsstrategien der Firmen insbesondere auf benachteiligte Konsument:innengruppen – wie ärmere, ältere, oder ungebildetere Konsument:innen – ausgerichtet sind. So werden beispielsweise psychologisch ansprechende Finanzprodukte, die tatsächlich aber vor allem teuer, unnötig komplex und risikoreich sind, vor allem solchen Konsument:innen verkauft, die sie am wenigsten verstehen und benötigen. Aus Unternehmenssicht stellen Konsument:innenfehler oft vorhersehbare Verhaltensmuster dar, welche – zumindest, wenn diesen keine Regulierung entgegensteht – gezielt ausgenutzt werden können, um Profite zu steigern. Neuere Evidenz suggeriert, dass solch ein Firmenverhalten zu signifikanten Wohlfahrtsverlusten führen kann. Jedoch fehlt es an strukturierten ökonometrischen Modellen, die es erlauben, diese Wohlfahrtsverluste zu quantifizieren oder die Marktimplikationen alternativer Regulierungen vorherzusagen. Unsere Forschergruppe plant daher verschiedene Werkzeuge zu entwickeln, um die Konsument:innenausnutzung in Märkten besser zu verstehen und letztendlich dazu beizutragen, diese zu überwinden. Unsere Forschergruppe wird, erstens, einige besonders bedeutende Konsument:innenfehler identifizieren und untersuchen. Zweitens werden wir analysieren wie Unternehmen auf diese Konsument:innenfehler reagieren, um ihre Profite zu steigern. Drittens werden wir unterschiedliche mögliche Regulierungsansätze untersuchen, die zum Ziel haben, die Konsument:innenausbeutungsstrategien von Unternehmen zu verhindern oder zumindest zu beschränken. Hierzu müssen wir neuere ökonometrische Methoden entwickeln, um verhaltensökonomische Erkenntnisse in strukturelle ökonometrische Marktmodelle des unvollständigen Wettbewerbs einbauen zu können. Außerdem wollen wir bedeutende dynamische Aspekte in die (zum gegenwärtigen Forschungsstand meist statischen) verhaltensökonomischen Wettbewerbsmodelle einbauen. So können wir zahlreiche inhärent dynamische Fragen – wie die Gründe und Auswirkungen von Konsument:innenträgheit oder das Lernen der Konsument:innen im Zeitablauf – besser verstehen. Zusätzlich werden wir Konsument:innenfehler in formale Modelle der digitalen Ökonomie einbauen, um die Vor- und Nachteile verschiedener Regulierungsvorschläge in diesem Bereich besser zu verstehen.
DFG-Verfahren Forschungsgruppen
Internationaler Bezug Australien, Großbritannien, Italien, Österreich, USA

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