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FOR 5173:  Rekonfiguration und Internalisierung von Sozialstruktur (RISS)

Fachliche Zuordnung Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 439346934
 
Soziostruktureller Wandel bleibt nicht folgenlos für die sozialen und politischen Orientierungen der Menschen. Zunehmende politische Entfremdung und Polarisierung sowie neue soziale Konfliktlinien stellen bestehende Systeme der Ressourcenallokation und Repräsentation in Frage. Setzt man diese Entwicklungen in Bezug zu soziostrukturellen Veränderungen ergibt sich ein Widerspruch. Wie lassen sich eine ‚individualisierte‘ Sozialstruktur oder das Ende der ‚politisierten‘ Sozialstruktur mit der menschlichen Neigung zur Gruppenbildung und den gegenwärtigen soziopolitischen Konflikten vereinbaren?Der Zusammenhang zwischen soziostrukturellem Wandel und soziopolitischen Orientierungen erscheint komplexer, als von der Forschung bisher gewürdigt wird. So besagt eine klassische Idee, dass der soziale und politische Zusammenhalt am ehesten durch ‘cross-cutting cleavages’ gewährleistet wird, in denen Individuen multiple, überlappende soziale Positionen einnehmen. Doch diese Sichtweise kann nicht erklären, warum nach Jahrzehnten sozialer Mobilität wichtige system-stabilisierende Orientierungen nicht zu-, sondern abgenommen haben. Die geplante Forschungsgruppe RISS vereint Sozialstrukturanalyse und Politische Soziologie und schlägt eine neue analytische Perspektive vor. Obwohl sich die Sozialstruktur dramatisch verändert hat, hat sie nichts von ihrer prägenden Kraft eingebüßt. Statt einer Auflösung der Sozialstruktur erleben wir ihre grundlegende Rekonfiguration sowie eine Internalisierung von neuen Sozialpositionen und Gruppenzugehörigkeiten. Um die Transformationen unserer Zeit zu begreifen, müssen wir einen Blick auf diese neuartigen Sozialstrukturen werfen und verstehen, wie sie Sichtweisen, Überzeugungen und Präferenzen prägen. Der Schlüssel liegt in einem dezidiert multidimensionalen Verständnis von Sozialstruktur, in der eine Vielzahl von sozialen Positionen auf komplexe Art und Weise miteinander verknüpft sind. Die Forschung konzentriert sich bislang auf einzelne strukturelle Dimensionen wie Bildungserfolg, sozioökonomischer Status, Geschlechterverhältnis oder Migration und ethnische Vielfalt. Was fehlt, ist ein fundiertes Verständnis davon, wie sich Wandel in diesen Einzeldimensionen verschränkt und umfassende Rekonfigurationen der Sozialstruktur bedingt. Wir müssen auch begreifen, wie Menschen diese internalisieren und mit Neukombinationen von ehemals unverbunden Sozialmerkmalen umgehen. Schließlich gilt es zu verstehen, wie sich diese Veränderungen in individuellen und kollektiven Verhaltensweisen und deren Folgen niederschlagen.Unser Ziel ist eine ausdrücklich multidimensionale Konzeption von soziostrukturellem Wandel sowie die Entwicklung einer innovativen empirischen Forschungsstrategie, welche diese Komplexität adäquat abbildet. Ein solcher Ansatzes verspricht sowohl eine gehaltvollere Theoriebildung über die soziostrukturelle Prägung individueller und kollektiver Orientierungen, als auch ein besseres Verständnis unserer turbulenten Zeit.
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