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SFB 1760:  Zu Stille und Rauschen im sprachlichen Signal

Fachliche Zuordnung Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Geisteswissenschaften
Informatik, System- und Elektrotechnik
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 551281144
 
Der SFB untersucht die Rolle von Stille und Rauschen in sprachlichen Signalen. Einer klassischen Sichtweise zufolge sind sprachliche Zeichen Paare aus Form und Bedeutung, wobei eine Form (z.B. ein Wort) mit Bedeutung verknüpft wird. Sprachen durchbrechen aber systematisch diese idealisierte Vorstellung durch diverse Formen von Stille (z.B. ausgelassene Satzteile, unausgesprochene Gedanken, unsichtbare Flektion), wie auch verrauschte Signale (z.B. ungewohnte Aussprache in Dialekten, Gespräche in lauten Restaurants, Kommunikation mit Kleinkindern). Menschen sind trotzdem mühelos in der Lage, sprachliche Regelverstöße zu ignorieren, irrelevante Artikulationsmerkmale auszublenden und regelwidrige Muster als Teil von Sprachspielen oder Sprachwandel neu zu deuten. Diese Fähigkeit steht in einem Spannungsverhältnis mit der idealen Vorstellung eines Form-Bedeutung-Paares. Hier setzt der SFB an, indem er die Hypothese verfolgt, dass stille und verrauschte Zeichen keine Abweichungen darstellen, sondern: (1) wesentliche Merkmale menschlicher Sprache sind und (2) den Schlüssel für gelingende Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlichen Hintergrundes bieten. Kurz gesagt: der SFB will ein neues Verständnis darüber entwickeln, wie aus scheinbar unscharfer Kommunikation verlässliche Signale hervorgehen. Dieses neue Verständnis muss auch die Neukonzeption der Idee von Sprachkompetenz beinhalten, so dass unserer systematischen Fähigkeit das Gesagte zu filtern und das Ungesagte anzureichern Rechnung getragen wird. Konkret münden diese Einsichten in der Entwicklung eines Interpretationsalgorithmus. Dieser soll insbesondere die jeweilige kommunikative Situation als Faktor in der Interpretation berücksichtigen und fußt auf einer Systematik von Stille und einer Systematik von Rauschen in Sprache. Wir stellen fest, dass menschliche Kommunikation zugleich extrem flexibel als auch extrem robust ist — wir bezeichnen dieses als die „Glasfasernatur“ von Sprache, da durch Redundanzen sowohl stille wie auch verrauschte Signale erkannt werden. Diese Resilienz zu verstehen und zu modellieren ist Ziel unseres Interpretationsalgorithmus. In unserem auf drei Phasen angelegten Arbeitsprogramm wird die zugrundeliegende Systematik untersucht, die es Menschen erlaubt, verschiedene Typen von stillen und verrauschten Signalen in der Kommunikation zu identifizieren und zu interpretieren. Die Modellierung im Interpretationsalgorithmus erfordert langfristiges Engagement und die enge Zusammenarbeit von Forschenden aus allen Teildisziplinen der Linguistik – einschließlich formaler theoretischer Modellierung, experimenteller Hypothesenüberprüfung und computerbasierter Ansätze. Wesentlich wird außerdem sein, dass wir vielfältige kommunikative Kontexte in den Blick nehmen. Der SFB bietet mit einem sowohl linguistisch als auch interdisziplinär breit aufgestellten Projektverbund ideale Ausgangsbedingungen für dieses ambitionierte Vorhaben.
DFG-Verfahren Sonderforschungsbereiche

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Antragstellende Institution Universität Konstanz
 
 

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