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SFB 1744:  Kompartimentierte Zelluläre Netzwerke bei Neurovaskulären Erkrankungen

Fachliche Zuordnung Medizin
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 548585053
 
Neurovaskuläre Erkrankungen (NVDs) sind die häufigste Ursache für langfristige Behinderung, die zweithäufigste Todesursache und eine wesentliche Ursache von Demenz. Trotz der hohen Krankheitslast fehlen für die meisten Patient:innen spezifische Therapien. Neue Studien zeigen eine bislang unterschätzte Komplexität von NVDs, mit weitgehend unverstandenen Mechanismen, die neue Therapieziele eröffnen könnten. Fortschritte in der Einzelzell-Omik und Bildgebung haben eine bislang unbekannte zelluläre Diversität und Kompartimentalisierung im Gehirn aufgedeckt. Diese umfassen (1) zonierte Differenzierung von Endothel- und Gefäßwandzellen, (2) distinkte Immun-Nischen wie den Plexus choroideus und adaptive Immunzell-Subtypen sowie (3) gliale Zellen mit kompartimentspezifischen Zuständen, etwa in perivaskulären Nischen. Wir stellen die Hypothese auf, dass Verlauf und Komplikationen von NVDs durch kompartimentalisierte zelluläre Netzwerke (CCNs) bestimmt werden – funktionelle Netzwerke aus vaskulären, immunologischen und glialen Zellen, die neuronale Funktionen unterstützen, und zur Krankheitsentstehung beitragen. Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie das Zusammenspiel unterschiedlicher Zelltypen in anatomisch definierten Kompartimenten den Krankheitsverlauf beeinflusst. Unsere Strategie fokussiert auf chronische und akute NVDs, die direkt die zerebralen Gefäße betreffen, darunter Mikroangiopathien, zerebrale Amyloidangiopathie, ischämischer Schlaganfall sowie intra- und subarachnoidale Blutungen. Wir untersuchen wie vaskuläre Dysfunktion und Immun- bzw. Gliaantworten zur Schädigung neuronaler Funktionen beitragen. Mitglieder des CRC1744 haben wesentliche Beiträge zur Erforschung von NVDs, zellulären Nischen und zellspezifischen Signalwegen geleistet und geeignete Modelle und Technologien etabliert. Unser methodischer Ansatz vereint Expertisen aus Neurovaskulärer Biologie, Immunologie, Glia-/Stammzellbiologie, Genetik und Datenwissenschaft. Wir kombinieren Einzelzell- und räumliche Transkriptomik mit moderner Bildgebung und genetischer Manipulation. Neben Tiermodellen nutzen wir humane iPSC-basierte Modelle der neurovaskulären Einheit, transplantierte Organoide und führen in-vivo-Mehrzellableitungen bei Patient:innen durch. Harmonisierte Modelle und gemeinsame Plattformen ermöglichen vergleichende Analysen und stärken die projektübergreifende Zusammenarbeit. In der ersten Förderperiode liegt der Fokus auf ischämischen NVDs. Für die klinische Translation sind präklinische randomisierte Studien und Großtiermodelle vorgesehen. Unser langfristiges Ziel ist es, Erkenntnisse aus Modellsystemen auf den Menschen zu übertragen und kompartimentspezifische Therapieansätze zu identifizieren. Dieses Ziel ist nur im Rahmen eines SFB realisierbar, da die Komplexität der NVD-Biologie und die technischen Herausforderungen der Analyse zellulärer Interaktionen ein multidisziplinäres, koordiniertes Vorgehen mit integrierten Methoden und gemeinsamer Dateninfrastruktur erfordern.
DFG-Verfahren Sonderforschungsbereiche

Laufende Projekte

Antragstellende Institution Ludwig-Maximilians-Universität München
 
 

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